Ehrenamtliches Engagement gibt dem Leben Sinn und stärkt das soziale Miteinander

Jürgen Karad, Hermann Allroggen, Nicole Westig, Carlos Stemmerich, Peter Schroeder (v.l.n.r.)
Jürgen Karad, Hermann Allroggen, Nicole Westig, Carlos Stemmerich, Peter Schroeder (v.l.n.r.)

„Wie wollen wir im Alter leben?“ Unter diesem Motto hatte die FDP Bad Honnef gemeinsam mit den Liberalen Senioren NRW zu einer Podiumsdiskussion in die Parkresidenz Bad Honnef eingeladen. Dabei stand das Ehrenamt von und für Senioren im Mittelpunkt. 

„Der demographische Wandel geht einher mit einer Gesellschaft des längeren Lebens. Und in einer solchen Gesellschaft stecken enorme Kräfte: die Zeit und die Bereitschaft gerade der Älteren, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren“, erklärt Nicole Westig, Bad Honnefer FDP-Kreistagsabgeordnete und Initiatorin der Veranstaltung, in ihrer Einführung. Deshalb wolle man verschiedene Modelle für das ehrenamtliche Engagement vorstellen, so Westig, die sich für die FDP um den hiesigen Bundestagswahlkreis bewerben will. 

 

‚Mitten im Leben – kurz MiL’ ist ein Projekt des Landes NRW, das das Älterwerden der Menschen im ländlichen Raum im Blick hat. Im Rhein-Sieg-Kreis zeichnet Dezernent Hermann Allroggen verantwortlich für das Projekt. Als Vorsitzender von kivi e.V. – ein Verein, der für die Gesundheitsförderung der Menschen aller Altersstufen eintritt – hat er das Projekt in die Trägerschaft des Vereins genommen und erläutert: „’Mitten im Leben’ hat viel mit Demographie zu tun. Jüngere Menschen tendieren zunehmend zum Leben in den Städten, so dass der ländliche Raum verliert. Dort die Infrastruktur für Ältere so zu sichern, dass sie in ihrem gewohnten Lebensraum bleiben können, ist unser Anliegen. Dabei geht es um Einkaufsmöglichkeiten, Busverkehr und natürlich die medizinische Versorgung.“ In den verschiedenen Orten an der oberen Sieg führt Allroggen Informationsveranstaltungen für sein Projekt durch, um so Ehrenamtliche dafür zu gewinnen. 

 

Organisierte Nachbarschaftshilfe unter dem Namen „Helfende Hände“ präsentierte der Ehrenamtskoordinator der Diakonie Michaelshoven in Köln, Carlos Stemmerich. Seit sieben Jahren gebe es dieses Netzwerk an fünf verschiedenen Standorten in und um Köln. Für Seniorinnen und Senioren übernehmen die Helfenden Hände kleinere Reparaturen, begleiten sie zum Arzt oder leisten Hilfe am PC oder bei Schriftverkehr. „Unsere Helfenden Hände erfüllen darüber hinaus eine ganz wichtige Funktion für das soziale Miteinander im Veedel, sie schenken Zeit und Zuwendung. Dafür erhalten sie oft mehr als nur ein dankbares Lächeln. Vielfach sagen die Ehrenamtler: ohne eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen komme ich da nicht raus“, sagt Stemmerich. Probleme, Menschen für diese ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen, hat er nicht. „Zu uns kommen viele frisch Pensionierte, die nach einer sinnvollen Aufgabe suchen“, so der Ehrenamtskoordinator. 

 

Jürgen Karad ist Mitglied der demokratisch gewählten, überparteilichen Seniorenvertretung in Lohmar. Für seine Arbeit bildet die politische Legitimation einen wichtigen Hintergrund bei der Fragestellung „Was können wir für Senioren tun?“ Auch die Seniorenvertretung Lohmar bietet Besuchs- und Begleitdienste an und einen Reparaturservice unter dem vieldeutigen Namen „Anti-Rost“. Hinzu kommt hier die ‚Taschengeldbörse’, die das Miteinander der Generationen untereinander fördern will. „Gegen ein kleines Taschengeld bieten Schülerinnen und Schüler den Senioren Hilfe im Alltag an. Unterstützung bei der Gartenarbeit und PC-Hilfe sind sehr gefragt, Einkaufsdienste weniger“, meint Karad. „Allerdings macht uns bei der Taschengeldbörse auch die demographische Entwicklung zu schaffen: Auf rund 8000 Senioren kommen nur 1000 Jugendliche.“ 

 

Peter Schröder, Landesvorsitzender der Liberalen Senioren, setzt ganz auf das politische Engagement älterer Menschen. „Ältere Menschen möchten sich einbringen als gleichberechtigten Teil der Gesellschaft“, stellt er fest. Als Beispiel nennt er eine erfolgreiche Initiative der Liberalen Senioren in Siegburg: „Wir haben festgestellt, dass in unserer Stadt 92 Bushaltestellen nicht barrierefrei waren. Dabei ist – wie auch Herr Allroggen sagt – der Busverkehr eine zentrale Voraussetzung, damit Senioren so lange wie möglich in ihrem Zuhause leben können. Wir haben Druck gemacht und konnten mit finanzieller Hilfe von Stadt, Land und KfW für eine behindertengerechte Einrichtung der meisten Bushaltestellen sorgen“, so Schröder. Deshalb ruft er gerade Senioren dazu auf, sich zu engagieren, denn nur so könnten sie wirklich Einfluss auf die Politik nehmen. Er unterstreicht, dass dabei nicht die Parteipolitik im Vordergrund stehen muss, sondern die aktive gesellschaftliche Teilhabe. Die Diskussion hat gezeigt, dass es bereits viele attraktive Angebote in der Region gibt, in denen ältere, aber auch jüngere Menschen sich engagieren und sowohl für sich selbst als auch für andere etwas tun können. 

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