FDP Rhein-Sieg: Inklusive nicht mit der Brechstange umsetzen

Bei der Umsetzung der Inklusion in den Schulen des Rhein-Sieg-Kreises fordert die FDP-Kreistagsfraktion ein behutsameres Vorgehen und weniger Druck von Seiten des Landes: "Wenn Inklusion gelingen soll, darf sie aus Düsseldorf nicht mit der Brechstange umgesetzt werden. Wir erleben derzeit, dass erfolgreiche Förderschulen zum Beispiel in Niederkassel oder Rheinbach gegen den Widerstand von Eltern, Lehrern und Kommunen dicht gemacht werden müssen, da das Land sie trotz bisher hervorragender Arbeit als zu klein definiert. Diese kompromisslose Haltung des Landes tut dem Inklusionsprozess und vor allem den Schülern mit Förderbedarf keinen Gefallen", kritisiert Nicole Westig, Kreistagsabgeordnete und schulpolitische Sprecherin der Freien Demokraten.

 

{bild 126518}Aktuelle Zahlen der Kreisverwaltung Rhein-Sieg zeigen, dass im ersten Inklusionsschuljahr insgesamt 1944 Kinder mit Förderbedarf statt der Förderschule eine Regelschule besucht haben. 129 dieser Kinder sind jedoch nach Auskunft des Kreises während des laufenden Schuljahrs wieder auf eine Förderschule gewechselt. "Diese Zahlen unterstreichen, dass weiterhin gute Förderschulen nötig sind, die sich um die Kinder kümmern, die mehr Zeit und Geduld sowie kleinere Klassen und intensivere Betreuung brauchen. Eine weitere Zerschlagung von Förderschulen, die genau diese Intensiv-Betreuung bieten, dürfen wir nicht hinnehmen", so Westig. Nicht umsonst betonen Experten immer wieder, dass zahlreiche Kinder mit Förderbedarf die Förderschule auch als einen Schutzraum benötigen, den ihnen eine reguläre Schule nicht bieten kann.

 

Neben den Rückkehrern von der Regelschule gebe es trotz oder wegen der Inklusion weiterhin auch Kinder, deren Eltern die Förderschule ohnehin für ihr Kind vorziehen und denen man mit Schulschließungen wie in Rheinbach und Niederkassel vor Ort die Wahlfreiheit nehme. "Neben dem Rechtsanspruch auf Inklusion muss es auch den Rechtsanspruch auf eine Förderschule in erreichbarer Nähe geben", fordert Westig.  „Wir wollen ein differenziertes und leistungsorientiertes Schulsystem, das die individuellen Bedürfnisse aller Kinder – ob mit oder ohne Förderbedarf – weitestgehend berücksichtigt. Gerade im Rhein-Sieg-Kreis hat sich dies bislang bewährt“, so Westig weiter. Damit dies auch künftig so bleibe, müsse das Tempo der Inklusion dringend der Qualität angepasst werden. Inklusion dürfe nicht zulasten der Kinder und des Lernerfolgs gehen.

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