Die FDP Rhein-Sieg in den Wende-Jahren 1989 und 1990

In diesen Tagen gedenkt ganz Deutschland der friedlichen Wiedervereinigung des Landes und der Ereignisse der Jahre 1989 und 1990. Auch die Liberalen im Rhein-Sieg-Kreis verbinden teilweise sehr persönliche Erinnerungen mit dieser bewegten Zeit. Der ehemalige Vizelandrat Rudolf Finke berichtet als Zeitzeuge, wie er den November 1989 und die folgenden Monate in Erinnerung hat: 

 

"Den Mauerfall am 9. November 1989 haben die Mitglieder der FDP-Kreistagsfraktion gemeinsam auf einer turnusmäßigen Fraktionssitzung im Kreishaus erlebt, nachdem sie aufgrund eines Anrufs zum Fernseher im Fraktionsbüro gestürzt waren und nicht glauben wollten, was sie dort sahen." 

 

Dieser Abend war der Auftakt für turbulente Monate, in denen sich Wege aus Ost und West gleich mehrfach kreuzen sollten. Finke erinnert sich an den Dezember 1989: 

 

"Eine Gruppe von drei LDPD-Mitgliedern aus der Umgebung von Potsdam ist in dieser Zeit auf die Idee gekommen, eine Veranstaltung der Bundes-FDP in Berlin zu besuchen, an der auch der Kreistagsabgeordnete Andreas Pinkwart teilnahm. Detlef Steiner, Hartmut Besch und Dr. Pöttrich waren auf der Suche nach Kontakten zu liberalen Vertretern aus der Umgebung der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Pinkwart erzählte ihnen, dass bei ihm zu Hause im Rhein-Sieg-Kreis schon länger nach Kontakten zur DDR gesucht werde und lud sie kurzerhand zu einem Besuch in Siegburg ein." 

 

Der Besuch der Delegation aus der DDR wurde für den 25. bis 29. Januar 1990 vereinbart. Ganz ohne Probleme lief das Treffen im Vor-Mobilfunk-Zeitalter jedoch nicht ab, blickt Finke zurück: 

 

"Wir warteten also gespannt, aber vergebens am Treffpunkt im Autobahn-Rasthaus Siegburg. Die drei waren mit ihrem Wartburg schon in Lohmar abgefahren und wir fanden sie zum Glück später im Hotel Kranz wieder, wo wir die eigentliche Begrüßungsveranstaltung vereinbart hatten. Im Hotel machten wir es kurz und verteilten die lang Gereisten auf die geplanten Unterkünfte auf, wobei diese Verteilung zufällig vor sich ging: Detlef Steiner (Unternehmer) übernachtete bei Finkes, Hartmut Besch (Bürgermeister von Michendorf) kam zu Erich B Uebel und Dr. Pöttrich (Medienexperte) kam zu Lutz Röver, damals Ortsvorsitzender von Siegburg. 

 

Diese gelungene Kontaktaufnahme unter Liberalen floss dann ein in die Überlegungen des Kreistags, nun eine schon länger geplante Partnerschaft mit einem ostdeutschen Kreis zu realisieren. Am 31. Januar 1990 machte sich eine Delegation aus den vier Kreistagsfraktionen sowie Landrat Franz Möller und Kreisdirektor Brahm auf den Weg, um die ins Auge gefassten Landkreise Oranienburg und Potsdam Land genauer zu betrachten. 

 

"Bei dieser Reise stellte sich auch durch unsere Fürsprache Potsdam schnell als der geeignete Partner heraus. Wir hatten inzwischen engen Kontakt zu zwei Dutzend LDPD-Mitgliedern, während alle anderen Fraktionen noch nach Partnern suchten. Die Partnerschaft der Kreise wurde schließlich im Herbst 1990 offiziell beschlossen. Es folgten viele Treffen zur finanziellen und personellen Unterstützung beim Aufbau der Kommunalverwaltung. Die Parteien halfen beim Einrichten demokratischer politischer Strukturen und beobachteten die ersten Neuwahlen vor Ort. 

 

Nach einigen Jahren ist die öffentliche Partnerschaft allerdings allmählich zu den Akten gelegt worden. Die Neuen Länder funktionierten aus eigener Kraft. Privat gibt es dagegen noch heute Kontakte zwischen Ost und West." 

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