Das nächste Jahrzehnt: 1996 - 2006
In der Wahlperiode des Kreistages von 1994 - 1999 befand sich die FDP in einer Koalition mit der CDU. Diese Periode war von wichtigen Weichenstellungen für den Rhein-Sieg-Kreis gekennzeichnet. Der Umzugsbeschluss des Bundestages von 1990 erforderte weitreichende und vorausschauende Maßnahmen, um der Region eine sichere und gute Zukunft zu ermöglichen. Die FDP-Fraktion hat sich dabei intensiv engagiert, insbesondere durch ihren wirtschaftspolitischen Sprecher Andreas Pinkwart. Die vom Bund gezahlten Ausgleichsgelder wurden sinnvoll investiert und sorgten für einen deutlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Region. Wie erfolgreich der Rhein-Sieg-Kreis seit 1990 war, zeigt vor allem die Bevölkerungsentwicklung. Trotz des Wegzugs von Parlament und Teilen der Bundesregierung sowie weiterer Organisationen stieg die Wohnbevölkerung von rund 500.000 auf knapp 600.000 im Jahre 2006.
Diese erfreuliche Entwicklung hat dazu beigetragen, dass die Arbeitslosigkeit im Rhein-Sieg-Kreis nicht so hoch war und ist wie in anderen Teilen Deutschlands. Zu hoch ist sie aber immer noch. Die Möglichkeiten des Kreises, diese mit öffentlichen Mitteln zu bekämpfen, sind aber begrenzt, wurden aber soweit wie möglich genutzt, z.B. durch Strukturfonds oder durch eine Jobbörse. Auch konnte bereits damals eine Idee der FDP erstmals umgesetzt werden, die heute als beispielhaft angesehen wird: Der Einsatz von Sozialhilfeempfängern als Busbegleiter zum Nutzen der Betroffenen aber auch zum Nutzen der Fahrgäste.
Die Kreishaushalte dieser Jahre waren zwar noch auszugleichen - im Gegensatz zu denen der Jahre 2005 und 2006 - die Lage war gleichwohl angespannt. Es gelang aber der Koalition unter maßgeblichem Einfluss der FDP, eine konsequente Sparpolitik durchzuführen, die mit einem Personalabbau in der Kreisverwaltung, Schuldenabbau und einer zunächst stabilen und 1999 sogar abgesenkten Kreisumlage für die Gemeinden als vorbildlich anzusehen ist.
Die Umweltpolitik war für die FDP im Rhein-Sieg-Kreis immer ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Mit Volker Boehm verfügt die Fraktion über einen kompetenten wie engagierten Fachmann, der das zuständige Dezernat der Kreisverwaltung gut beschäftigen kann. Genannt seien die erheblichen Fortschritte in der Abfallbeseitigung mit einer stetig steigenden Mülltrennungsquote bei stabilen Gebühren, die Erstellung von Landschaftsplänen und die Abwehr des weiteren Quarzkiesabbaus im Bereich Kottenforst-Ville. Ein die Umwelt besonders stark berührendes Projekt, die ICE-Trasse durch das Siebengebirge, wurde nach langen Verhandlungen auch unter Einflussnahme der FDP letztlich zufriedenstellend gelöst.
Die Kommunalwahl 1999 brachte auf Grund bundespolitischer Umstände (rot-grün regierte seit einem Jahr in Berlin mehr schlecht als recht), der CDU im Kreistag die absolute Mehrheit. Knapp 200 Stimmen fehlten der FDP am fünften Kreistagsmandat. Die Koalition mit der CDU wurde nicht mehr fortgesetzt. Die FDP nahm ihre neue Rolle als Opposition sofort an.
Aus diesen Jahren ist besonders erwähnenswert die auch heute immer noch zu führende Diskussion um den Flughafen Köln-Bonn und die Lärmbelästigung der Anwohner zur Nachtzeit. Die Position der FDP wurde in der Partei immer wieder kontrovers diskutiert, an der 1999 festgelegten Auffassung wurde aber nichts substanzielles geändert. Der Flughafen ist ein derart bedeutender und weiter wachsender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in der Region, dass es unredlich wäre, ein völliges Nachtflugverbot zu fordern. Es muss darum gehen, die negativen Auswirkungen des Nachtflugverkehrs mit allen Mitteln zu mindern und weiteren Flugverkehr, insbesondere auch Passagierverkehr zu verhindern.
Die regionale Zusammenarbeit insbesondere zwischen Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis kam Anfang des neuen Jahrtausends ins Stocken und drohte schließlich wegen der persönlichen Animositäten der handelnden Personen ganz zum Erliegen zu kommen. Die Versuche der FDP, gemeinsam mit den Bonner Parteifreunden, hier neue Impulse zu geben, scheiterten an den Mehrheitsverhältnissen. Die Fusion unserer Kreissparkasse mit der Kreissparkasse Köln wird von der FDP sehr kritisch gesehen, da die angeblichen Vorteile für den Rhein-Sieg-Kreis nicht überzeugten. Stattdessen wäre eine Fusion mit der Stadtsparkasse Bonn aus regionaler Sicht besser gewesen.
Die Haushaltslage des Kreises verschlechterte sich seit 2001 wie die praktisch aller Kommunen in Deutschland auf Grund wegbrechender Einnahmen in der Folge von dilletantischen rot-grünen Steuergesetzen und einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung. Nachdem in den Vorjahren noch schwarze Zahlen geschrieben worden waren, die nicht zuletzt Ergebnis der von der FDP konsequent betriebenen Sparpolitik waren, handelte die absolute Mehrheit der CDU nun nur halbherzig. Als mit der sog. Hartz IV-Reform 2004 enorme Zusatzkosten für die Arbeitslosen vom Bund auf die Kommunen abgewälzt wurden, führte kein Weg an einem Haushaltssicherungskonzept vorbei. Angesichts der Notlage fast aller Städte und Gemeinden im Kreis forderte die FDP als erste Fraktion den Verkauf von RWE-Aktien, um das Defizit zu begrenzen und um eine Erhöhung der Kreisumlage zu vermeiden. Nach langem Zögern und nur auf Druck ihrer Bürgermeister lenkte schließlich auch die CDU ein, so dass ab 2006 mit einem geregelten Verkauf der Aktien begonnen wird.
Zu einem immer wichtigeren Thema wurde die Innere Sicherheit. Leider stieg die Zahl der Straftaten in unserer Region immer weiter an, so dass über eine bessere polizeiliche Präsenz auf den Straßen heftig und kontrovers diskutiert wird. Für die FDP kommt es dabei immer darauf an, mehr Beamte auf die Straße zu bringen und die Verwaltungen zu reduzieren. Kontrovers blieb dabei die Zukunft der Kreispolizeibehörden. Mit der Übernahme der Landesregierung durch CDU und FDP 2005 ist diese Frage nun erledigt, da die CDU auf einer Beibehaltung der Kreispolizeibehörden besteht.
Die Kommunalwahl 2004 brachte der FDP mit 8,4% (+2,6%) ein erfreuliches Ergebnis, womit sich die Zahl der Kreistagsabgeordneten von vier auf sechs erhöhte. Davon waren zunächst vier, später - nach dem Ausscheiden von Stefanie Jung - fünf Mitglieder neu, auch wenn fast alle schon als sachkundige Bürger Erfahrung in der Kreisarbeit gesammelt hatten. Da die CDU ihre absolute Mehrheit wieder verloren hatte, (nur der Landrat könnte mit seiner Stimme die CDU-Mehrheit sichern) wäre eine Zusammenarbeit mit der FDP möglich gewesen. Die CDU entschied sich aber für eine Koalition mit den Grünen.

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